Pressemitteilung

 

Bild: OZ Rostock

 

In der Fleischerei Spiegel in Rostock hat schon die dritte Generation das Heft in die Hand genommen. Vor 70 Jahren wurde der Betrieb gegründet.

Rostock In ihrer Rolle als „hauptberufliche Großeltern“ fühlen sich Erich und Waltraut Spiegel, beide 69, durchaus wohl. „Nur wenn Not am Mann ist, springen wir noch ein“, sagt der Fleischermeister. Er hilft dann bei der Wurstproduktion, sie steht hinter der Ladentheke. Vor zwei Jahren hat Erich Spiegel seine Fleischerei an der Hinrichsdorfer Straße in Dierkow an Sohn Jens übergeben. Damit lebt die Familientradition in dritter Generation weiter. „Als Lehrling wurde ich härter rangenommen als die anderen“, erinnert sich der 41-Jährige. Wie so oft, wenn der Sohn das Handwerk beim eigenen Vater lernt. Als Nachteil empfand er das aber nicht. Ohnehin stand für ihn nie zur Debatte, dass er etwas anderes werden könnte als Fleischer. „So viele Möglichkeiten gab es nicht.“ Gegründet haben Walter und Hertha Behnkens den Betrieb im April 1939, überstanden die Kriegswirren und die schwierigen Jahre danach. Erich Spiegel, der in der nächsten Woche seinen 70. Geburtstag feiert, heuerte 1961 als Geselle bei den Behnkens an. Dass er einmal die Tochter seines Chefs heiraten und als Meister das Geschäft übernehmen würde, ahnte er damals nicht. Es war 1977, als für Erich Spiegel die Übernahme anstand. Wie andere selbstständige Handwerker in der DDR, musste auch er mit Gegenwind kämpfen. „Die haben uns die Pistole auf die Brust gesetzt“, erinnert sich Spiegel senior. Der Auftrag der Stadt hieß, Dierkow mit Wurst und Fleisch zu versorgen. „Da mussten wir sehen, wie wir klarkommen.“ Und das sei angesichts des allgemeinen Mangels nicht so einfach gewesen.

Nach 1989 galt es auch für die Spiegels, sich auf die Veränderungen einzustellen. Das Geschäft musste komplett neu gestaltet und um jeden Kunden musste gekämpft werden. Erich Spiegel schaffte auch das, Sohn Jens hatte inzwischen den Meisterbrief in der Tasche. „Nach 30 Jahren wollte ich 2007 Schluss machen“, erinnert sich Erich Spiegel. Er sei froh, dass er sich nicht auf die Nachfolgersuche machen musste. Da sich bei Sohn Jens und Ehefrau Dorina Peters (40) noch einmal Nachwuchs einstellte, hängten Erich und Waltraut aber noch ein Jahr bis Anfang 2008 dran. Jens Spiegel führt das Geschäft in der Tradition seines Vaters weiter, schließlich haben beide lange Seite an Seite gearbeitet. Ob es denn auch mal gekracht hat? Vater und Sohn schütteln den Kopf. Qualität sei das Wichtigste und Grund viel zu verändern, gab es nicht. „Sorten wie Leberkäse, Bierschinken, die weiche Mettwurst habe ich so gelassen.“ Das seien auch die Sorten, die bei den Kunden immer sehr beliebt gewesen seien, sagt sein Vater. „Ich probiere aber ständig was Neues aus“, versucht der neue Chef auch eigene Akzente zu setzen. Bratwurst mit anderen Kräutern oder aktuell eine Grünkohlwurst. Selbst den Stammkunden müsse er Abwechslung bieten, weiß Jens Spiegel.

Zumal die Konkurrenz in den großen Märkten und Discountern den kleinen Betrieben das Leben schwer macht. „So viele Fleischer gibt es in Rostock ja nicht mehr.“ Aber: „Wir haben treue Kunden, die unsere individuelle Beratung schätzen.“ Natürlich hätte er nichts dagegen, wenn Fleisch und die Wurst aus eigener Produktion in Zukunft wieder etwas mehr Wertschätzung erfahren könnten. Heute macht sich Jens Spiegel noch keine Gedanken über einen Nachfolger. Dass der in vierter Generation aus der Familie kommt, halten er und seine Frau angesichts des weiblichen Nachwuchses für unwahrscheinlich. „Das müssen sie nicht machen“, sagt Dorina Peters. Die Töchter sind zwei und 13 Jahre alt. Die Große bekomme mit, wie viel Arbeit und Zeit die Eltern in den Betrieb steckten. Es gehöre immer der richtige Partner dazu, erklärt Erich Spiegel. „Für mich und meine Frau gab es nur die Fleischerei.“

Zehn Mitarbeiter und zwei Lehrlinge

Die Fleischerei Spiegel wird in dritter Generation als Familienbetrieb geführt. Neben dem Stammsitz an der Hinrichsdorfer Straße gibt es eine Filiale am Hauptbahnhof und den Partyservice. Derzeit beschäftigt der Betrieb zehn Mitarbeiter und zwei Lehrlinge.
Quelle: Ostseezeitung Rostock

THOMAS NIEBUHR

 

 

 

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